Auf den „Sudweyher Bahnhof“ angesprochen, reagieren viele Weyher Bürger mit etwas ratlosem Blick: „Sie meinen den Kirchweyher ...?" Nein, ich meine den Sudweyher! Etwas abgelegen, an der Raiffeisenstraße, befindet sich das Empfangsgebäude der Kleinbahn Bremen-Thedinghausen, mitten im alten Dorfkern Sudweyhes.

Postkartenansicht 2008Auf den „Sudweyher Bahnhof“ angesprochen, reagieren viele Weyher Bürger mit etwas ratlosem Blick: „Sie meinen den Kirchweyher ...?" Nein, ich meine den Sudweyher! Etwas abgelegen, an der Raiffeisenstraße, befindet sich das Empfangsgebäude der Kleinbahn Bremen-Thedinghausen, mitten im alten Dorfkern Sudweyhes.

Seit 1989 stand das alte Gebäude leer: Nachdem der Personenverkehr schon im Oktober 1955 eingestellt wurde, hatte es noch bis dahin als Wohnung gedient. Danach begann der Zahn der Zeit an Mauern und Fachwerk des einst schmucken Hauses zu nagen.

Planung und Bau dieser Bahnstrecke und seiner Bahnhöfe fallen in die Zeit zwischen 1904 und 1910. Die Streckenführung im südlichen Einzugsgebiet Bremens machte vor Baubeginn die Konzessionserteilung von nicht weniger als vier Ländern erforderlich. Der Ausgangspunkt in Bremen-Huchting lag im Bereich der Hansestadt, es folgten die Landkreise Oldenburg, Grafschaft Hoya und schließlich der Regierungsbezirk Braunschweig, denn der vorläufige Endpunkt lag in Thedinghausen, einer Enklave Braunschweigs. Die 26 km lange Strecke konnte allerdings erst in drei Abschnitten eröffnet werden: Am 1. Oktober 1908 von Huchting bis Brinkum, am 1. Februar 1910 bis Leeste und schließlich am 1. Oktober des gleichen Jahres bis Thedinghausen.

Als der mit Ehrengästen besetzte Sonderzug der „Bremisch-Hannoverschen-Kleinbahn“ die Eröffnungsfahrt machte, wurde er nicht überall mit Jubel empfangen. Während Kaufleute und Viehhändler diese neue Bahnstrecke begrüßten, gehörten große Teile der Bauernschaft zu deren Gegner. Die Schienen zerschnitten ihr Weide- und Ackerland, das dadurch schlechter zu bestellen war und weite Wege erforderlich machte. In Sudweyhe selbst führten die Gleise sehr dicht an den durchweg mit Stroh gedeckten Häusern vorbei, die deshalb „hart“ umgedeckt werden mussten. Sudweyher Lehrer und Eltern befürchteten sogar eine Störung des Schulunterrichts wegen der Nähe vorbeifahrender Züge. Die damalige Dorfschule befand sich zu der Zeit noch an dem Platz der heutigen Schlosserei Greve.

Erst als die Bahnverwaltung androhte, sie werde die Streckenführung von Leeste über Hagen - Lahausen - Sudweyher Heide in Richtung Riede verlegen, lenkten die Kirch- und Sudweyher Bauern ein. Pläne, die Streckenführung über Thedinghausen hinaus, über Schwarme - Martfeld in Richtung Hoya zu erweitern, standen kurz vor der Durchführung. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 und die folgenden wirtschaftlichen Notzeiten machten dies zunichte. Deshalb blieb dieser Bahn auch eine größere wirtschaftliche Bedeutung für unseren Raum versagt.

Doch zurück zum Bahnhof in Sudweyhe: Verschiedene Bestrebungen, dieses Gebäude wieder als Wohnung zu nutzen, scheiterten an fehlenden finanziellen Mitteln. Die private Bahn-AG, deren Verwaltung in Frankfurt saß, hatte keine Möglichkeiten der sinnvollen Nutzung mehr. Ein Abriss wurde schon in Erwägung gezogen, doch auch diese Kosten wären nicht unerheblich gewesen.

Auf Antrag des Weyher Gemeindearchivars Wilfried Meyer wurde der Bahnhof 1991 von der Bezirksregierung in Hannover dann als Baudenkmal eingestuft und damit erhaltungswürdig.

Danach wollten die „Eisenbahnfreunde Kirchweyhe“ die Restaurierung durchführen, um sich hier ein Vereinsheim zu schaffen. Seit Jahren waren sie auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten; was bietet sich da mehr an als ein richtiger alter Bahnhof! Doch die Hobbyeisenbahner gaben nach einiger Zeit auf, die Kosten stiegen und ein dauerhaftes Mietverhältnis war auch nicht sicher.

Danach nutzte die Gemeinde das Gebäude zur Möbeleinlagerung, doch der Durchbruch kam erst mit der Veränderung der Eigentumsverhältnisse. Die Anliegergemeinden Stuhr, Weyhe und Thedinghausen jeweils zu 30 %, dazu noch die Bremer Straßenbahn AG erwarben die Strecke und der damalige Weyher Bürgermeister Edmund Irmer sicherte Gelände und Gebäude des Sudweyher Bahnhofs vorsorglich durch ein Vorkaufsrecht.

Schon zu Zeiten seines Nachfolgers Reinhard Osterloh kam der Gedanke auf, das Bahnhofsgebäude als Gemeindearchiv zu nutzen. Die Räumlichkeiten in der Wassermühle reichten schon lange nicht mehr aus. Schon 2007 wurden Fenster und Türen des mittlerweile 100-jährigen Hauses nach alten Plänen restauriert, es ist jetzt schon ein kleines Schmuckstück. Mittel aus der Dorferneuerung halfen dabei nicht unerheblich.

Nun soll es an das Innenleben des früheren Bahnhofs gehen. Es wäre die Bestandssicherung und sinnvolle Nutzung eines Weyher Baudenkmals, gleichzeitig das Ende der Raumnot im Gemeindearchiv und auch der Kulturring hätte in der Wassermühle endlich ausreichende Abstellmöglichkeiten. Also freuen sich sehr viele Gruppen auf den glücklichen Abschluss einer fast endlosen Geschichte. Doch eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen, außerdem haben sich die Bedingungen der Dorferneuerung verändert. Die Gemeinde hat die fehlenden Finanzmittel nicht eingeplant und darum steht momentan alles still.