Das Haus fällt auf, nicht weil eine Brandruine als Anbau seit einigen Jahren die Blicke der Vorbeifahrenden der Syker Straße (B 6) in Melchiorshausen auf sich ziehen. Nein, das längliche, weiß gestrichene Gebäude hatte offensichtlich ursprünglich eine andere Funktion als jetzt, da Garten- und Motorgeräte angeboten werden. Stimmt, es wurde mal als Mühle gebaut und hatte im Laufe eines Jahrhunderts verschiedene Funktionen.

Muhle Eggers Melchiorshausen 1957Das Haus fällt auf, nicht weil eine Brandruine als Anbau seit einigen Jahren die Blicke der Vorbeifahrenden der Syker Straße (B 6) in Melchiorshausen auf sich ziehen. Nein, das längliche, weiß gestrichene Gebäude hatte offensichtlich ursprünglich eine andere Funktion als jetzt, da Garten- und Motorgeräte angeboten werden. Stimmt, es wurde mal als Mühle gebaut und hatte im Laufe eines Jahrhunderts verschiedene Funktionen.

Die Motormühle errichtete der Melchiorshauser Brinksitzer Johann Wilhelm Eggers um 1905, im Ort nannte man ihn aber immer „Jan Schmidt“. Vielleicht um bei den 11 Familien Eggers im Ort eine Unterscheidung zu schaffen. Er verarbeitete nicht nur Mehl und Futtermittel sondern versorgte die Einwohnerschaft der näheren Umgebung auch mit elektrischem Strom. Ein Sauggasmotor, mit Schweröl angetrieben, produzierte 110 Volt Gleichstrom, der für das erste elektrische Licht in Melchiorshausen sorgte. Der Melchiorshauser Arbeiter und Anbauer Heinrich Hildebrand arbeitete schon eine Zeit lang bei Eggers, als er 1912 das komplette Anwesen pachten konnte und es danach noch um eine Sägerei erweiterte. Schon 1922 stieg „Jan Schmidt“ wieder selbst ins Geschäft ein und gründete eine Handelsgenossenschaft. Doch die schlechte wirtschaftliche Lage und Einführung der zentralen Stromversorgung zwangen ihn 1927/28 zur Geschäftsaufgabe. Das Mühlengebäude stand anschließend bis in die Nachkriegszeit leer.

Als die Familie Böhnisch im Sommer 1946 nach ihrer Vertreibung aus dem oberschlesischen Schnellewalde nach Leeste kam, begann auch für sie ein neuer Lebensabschnitt.

Karl Böhnisch, Jahrgang 1905, hatte sich nach seiner Tischlerlehre auf Wanderschaft begeben. Zum Bodensee, in den Schwarzwald und in die Region um Stuttgart führten seine beruflichen Wege, bevor er 1929 in Karlsruhe seine Meisterprüfung ablegte. Wieder zurück in seinem Heimatort, gründete er eine eigene Tischlerei, übernahm sogar einen benachbarten Betrieb und beschäftige zeitweise 30 Mitarbeiter.

Der Zweite Weltkrieg und die anschließende Flucht in den Westen führten ihn, wie bereits erwähnt, nach Leeste. Hier begann er sofort in einer provisorischen Werkstatt, einem Nebenraum der Gaststätte Hillmann-Dreyer (heute Restaurant „Via Appia) in Hörden, sein Handwerk fortzuführen. Schon 1949 bezog er mit seiner Familie die leer stehende Motormühle Eggers in Melchiorshausen, baute die Räume um und produzierte wieder Möbel, Fenster, Türen und Treppen. 1957 kaufte er das Gebäude und machte bald danach seine Söhne Karl-Heinz und Lothar zu Teilhabern.

Neben seiner beruflichen Betätigung engagierte er sich leidenschaftlich für die Leester Kirche, wurde Kirchenvorsteher und zog in den Gemeinderat ein. Er hatte auch dafür gesorgt, dass viele Vertriebene aus Schnellewalde nach Leeste kamen. Noch heute existiert dort die „Schnellewalder Straße“.

Bis zu seinem Tode im Jahre 1988 arbeitete er in der Werkstatt; sein Sohn Karl-Heinz führte den Betrieb noch bis 2000 weiter, musste ihn dann jedoch aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Danach wurde der Komplex an den Melchiorshauser Landwirt Horst Leisewitz verkauft. Der verpachtete seitdem die Ladenräume zuerst an einen Bauausstatter („Bau-Mühle“) und jetzt an „Motorgeräte Pankratz“.